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Vergiftungen bei Hund und Katze - Teil1

Tiersanka Infothek

Rubrik Tiernotdienst

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(21/12/2013 - 22:54:16)

Quelle: www.tiersanka.de

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Vergiftungserscheinung und Vergiftungen bei Hund und Katze durch Lebensmittel und oder falscher Ernährung

Bei dem Wort „Vergiftung“ treibt es jedem Tierbesitzer den Schweiß auf die Stirn – zu recht natürlich. Wir wollen euch hier eine Auflistung zur Verfügung stellen, welche euch einen Überblick geben soll.

Ebenfalls zählen wir Symptome auf und was man tun soll, wenn man Verdacht auf eine Vergiftung hat.

In unserem ersten Teil beschäftigen wir uns mit gefährlichen Lebensmitteln – um das Verständnis zu erleichtern, habe ich so wenig Fachbegriffe genutzt, wie möglich oder diese erklärt.

Denkt bitte daran, dass die Liste – so sorgfältig wir auch nachgelesen und gesucht haben – nicht 100%ig vollständig ist, weshalb wir uns freuen, wenn ihr Stoffe, die hier nicht aufgelistet sind, mit uns (und anderen Tierbesitzern) teilt.

„Die Menge macht das Gift“ – der Ausspruch ist teils wirklich sehr sinnvoll, weshalb man nicht davon ausgehen sollte, dass jede kleinste Menge (mit Ausnahmen) sofort zu einer gravierenden Vergiftung führt, bei Unsicherheit empfehlen wir euch eine Rücksprache oder einen Besuch mit/bei eurem Tierarzt oder das generelle Weglassen bestimmter Lebensmittel bei der Fütterung.

Welche Symptome kann mein Tier bei einer Vergiftung zeigen?

Die Symptome können teils recht unterschiedlich ausfallen, je nachdem welche Menge und welches Gift aufgenommen wurde und auch WIE es aufgenommen wurde. Auch können die Symptome manchmal schon nach Minuten, manchmal auch erst nach Tagen auftreten.

Wir stellen euch häufige Symptome vor, die man ohne Hilfsmittel wie z.B. Stethoskop erkennen kann (können einzeln oder in Gruppen auftreten):
-      starkes Speicheln oder auch schäumen
-      blasse, blaue (teils auch graue) Schleimhäute – Einblutungen in die Schleimhäute (sog. Punktblutungen)
-      Blaue Zunge
-      schnelle Atmung, starkes Hecheln, Atemnot
-      Apathie (Teilnahmslosigkeit, Mattigkeit, starke Schwäche)
-      Zittern, Muskelkrämpfe oder auch generell starke Erregung, Taumeln, Koordinierungsschwierigkeiten
-      Manchmal aufgeblähter, harter Bauch – sehr schmerzempfindlich
-      Fieber
-      Erbrechen, Durchfall (manchmal blutig), teils auch blutiger Urin
-      Herzrasen, sehr schneller Puls

Was tue ich bei Verdacht auf eine Vergiftung?

Generell sollte man Hund oder Katze etc. sofort zu einem Tierarzt bringen. Vorher oder unterwegs telefonisch ankündigen, wenn das möglich ist – kennt man die Pflanze/Lebensmittel, dann teilt diese gleich mit.

Eine Probe des Giftes (oder des verdächtigen Giftes) mitbringen, z.B. in einer Plastiktüte – wenn nötig, auch das Erbrochene oder angeknabberte Reste mitbringen (evtl. mit Handschuhen einpacken und nicht direkt berühren, je nachdem, worum es sich handelt) und dem Tierarzt vorlegen – wenn ihr die Möglichkeit dazu habt.

-      Teils gibt es die Empfehlung, Fell, Haut oder auch Schleimhäute, bzw. Augen mit lauwarmen Leitungswasser zu waschen oder Pulver abzusaugen oder vorsichtig abbürsten (Handschuhe tragen), dies trifft aber eher bei Kontaktgiften zu.
-      Kein Öl, Milch, Eier oder sonstiges verabreichen – das verschlimmert oft den Zustand
-      Bitte nicht selber versuchen, das Tier zum Erbrechen zu bringen (bei manchen Giften ist Erbrechen sehr ungünstig und kann z.B. die Speiseröhre stark verletzen)
-      Nicht selbstständig Medikamente eingeben, fragt den Tierarzt am Telefon, was ihr geben könnt, generell ist ein schneller Tierarztbesuch die beste Lösung
-      Kohletabletten können Gifte binden und sind oft zuhause vorrätig, ABER: Holzkohle, Grillkohle oder Kohlemixpräparate sind hier nicht hilfreich!

Wenn ihr keinen Verdacht habt, überlegt folgendes (sagt sich leicht, meist kann man kaum klar denken, aber versucht es zumindest):
-      Was kann mein Tier gefressen haben? Pflanzen, Essen am Tisch, Zimmerpflanzen?
-      Insektizide oder andere Gifte, z.B. Unkrautvernichter oder Schneckengift – kommt mein Tier da ran? Wurde in der nahen Umgebung solche Gifte verteilt oder genutzt, z.B. Nachbarn etc.?
-      Hat mein Tier eine Wurmbehandlung bekommen? Oder trägt er (oder mein Zweithund) ein Zeckenhalsband?
-      Hat mein Tier Medikamente bekommen oder bekommt er dauerhaft welche? (mitbringen zum TA)
-      Habe ich etwas im Haus verändert? Neues Putzmittel, Gartenarbeiten, neue Pflanzen, neues Spielzeug (bes. aus China), neuer Teppich, Teppichreinigung etc.?

Welche Lebensmittel sind giftig oder können giftig sein?

1.      Schweinefleisch

Allerdings nur im rohen Zustand und zwar auch nicht direkt giftig, aber dennoch kann rohes Schweinefleisch (mittlerweile seltener beim Hausschwein, dafür beim Wildschwein) den sog. Aujetzki-Virus (Pseudowut) enthalten und tödlich sein. Gut durchgekocht, also komplett gar,  wird das Virus abgetötet, viele Hundehalter füttern allerdings generell kein Schwein.

Diese Viruserkrankung ist leider unheilbar und endet immer tödlich, die ersten Symptome treten meist nach 2 bis 10 Tagen auf (besonders auffällig ist der extreme Juckreiz, welcher ausgelöst wird).

2.      Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, sämtliche Gewächse aus der Gattung „Allium“

Roh sollte nichts davon verfüttert werden, wobei getrockneter Knoblauch in kleinen Mengen positive Wirkungen haben soll und von Barfern oder auch in manchen Hundefuttersorten enthalten ist.
Hier kommt es bei allen Pflanzen (und Pflanzenteilen) auf die Menge an, der Inhaltsstoff N-Propyldisulfid führt zur Bildung von Heinz-Körperchen in den roten Blutkörperchen und dadurch zu einer sogenannten Blutarmut (=Anämie) bzw. Zerstörung der Blutkörperchen (Aufplatzen) = Hämolyse, weshalb man auf größere Mengen (oder kleine Mengen bei eben auch kleinen Hunden) oder regelmäßige Fütterung verzichten sollte.
Eine Angabe beläuft sich auf  0,5% des Körpergewichtes bei Hund und Katze oder nur bei Hunden auf unter 5g pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag als giftig.

Akitas und Shibas scheinen besonders empfindlich zu reagieren.
 

3.      Avocado

Hauptstoff ist hier das sog. Polyketid, Persin.
Persin kann in hohen Dosen bei Säugetieren und Vögeln zu einer sog. Myocardnekrose (= Zerstörung der Zellstruktur des Herzmuskels) führen. Durch den hohen Fettgehalt auch zu einer Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) oder Magen-Darm-Problemen, zu einem obstruktivem Illeus (=Darmverschluss, durch mechanisches Hindernis) kann es kommen, wenn z.B. der Kern gefressen wird.

Leider habe ich keine Mengenangabe gefunden.

4.      Kaffee, Tee, Kakao (Schokolade)

Die Stoffe sind: Theobromin bei Schokolade/Kakao, Coffein bei Kaffee und bei Tee Coffein oder Theophyllin.
Hier gilt bei Schokolade: Je mehr Kakao enthalten ist, desto höher ist auch der Theobrominanteil.

Die ersten Symptome treten innerhalb von 2-4 Stunden auf, als Menge wird angegeben:
Hund zwischen 100 und 250 mg pro Kilogramm Körpergewicht bei Theobromin und Coffein, andere Quellen sprechen von 20-60mg pro kg/KG, wobei hier 60mg als lebensbedrohlich angegeben wurden. Bei Blockschokolade sollen es bereits 8mg pro kg/KG sein.

Generell sollte man einem Tier weder Süßigkeiten, noch Tee oder Kaffee anbieten, konnte allerdings nicht ausmachen, ob es sich nur um Schwarz- und Grüntee handelt, oder ob generell alle Teesorten betroffen sind.

5.      Bohnen (roh) und Alfalfa

Bohnen (auch Sojabohnen) enthalten roh Lectine, welche giftig ist, aber durch Kochen zerstört werden. Diese Lectine führen zu Schleimhautreizungen, Durchfall bis teilweise zu Nekrosen (=Gewebezerstörung, Gewebetod) und manche davon verhindern die Eiweißaufnahme.

Bei Alfalfa können alle Teile toxisch wirken und zu Hautentzündungen oder Wachstumsstörungen führen – enthaltene Phytoöstrogene können zu Fruchtbarkeitsstörungen führen.

Die Dosis ist unbekannt bei Alfalfa, bei Bohnen konnte ich keine Angaben finden.

6.      Weintrauben und Rosinen

Die Dosis ist hier nicht genau bekannt, auch, welcher Stoff genau zur Vergiftung führt, ist offenbar nicht genau erforscht. Sicher ist aber, dass es Vergiftungen nach dem Verfüttern von Weintrauben oder Rosinen gab.
In Rosinen soll der Stoff konzentrierter vorhanden sein.

Als Mengenangabe wird geschätzt ca. 10 gramm pro kg/KG bei Weintrauben und bereits tödlich sollen 14 gramm Rosinen bei einem etwa 20kg schwerem Hund wirken.

Erste Symptome treten nach 1-4 Stunden auf, bis zu 24 Stunden nach Einnahme kann es zu Nierenversagen kommen.

7.      Nüsse, besonders Madacamianüsse

Nüsse in kleinen Mengen oder als kleiner Snack zwischendurch sollen in Ordnung sein, regelmäßig, in größeren Mengen oder auch Walnüsse, welche mit Schale auf dem Boden liegen und nass oder schimmelig sind, gelten als gefährlich.

Dies soll am hohen Phosphorgehalt liegen, welcher die Nieren stark belastet – bei Walnüssen bzw. auch Walnüsse mit Schale, geht es vor allem um den Schimmelpilz, welchen diese enthalten können.
Dosis konnte ich leider keine finden.

Macadamianüsse sollen generell hochgiftig sein, warum genau ist noch nicht bekannt – die Dosis beläuft sich hierbei auf zwischen 1 und 63 gramm pro kg/KG.

8.      Alkohol

Selbst kleinste Mengen Alkohol können schwere Vergiftungen hervorrufen, da Tiere diesen nur extrem langsam und auch nur unvollständig verstoffwechseln können.
Erste Symptome zeigen sich bereits ca. 30 Minuten nach Einnahme.

9.      Kartoffeln (roh), Tomaten, Paprika (alle Nachtschattengewächse)

Die enthaltene Verbindung Solanin/Chaconin/Solanidin (um nur einige zu nennen) geht beim Kochen ins Wasser über, somit bleibt ein geringer (als kaum bis nicht toxisch angegebener) Teil übrig. In der Schale soll sich die höchste Solaninkonzentration befinden, also ist Schälen und anschließendes Kochen hilfreich, wenn es sich um einwandfreie Knollen handelt (deren Gehalt liegt bei etwa 7mg Solanin pro /100 gr), also nicht um Kartoffeln, die grün sind oder bereits gekeimt haben.

Entgegen mancher Meinung kann Solanin nicht durch Trocknen oder Kochen zerstört werden.

Rohe Kartoffeln jedoch, das Wasser, in welchem Kartoffeln gekocht wurden oder auch grüne Stellen an Tomaten und Paprika, Stiele und Blätter muss man entfernen.

Solanin reizt die Schleimhäute, führt zu Magen-Darm-Problemen, zu Atemnot und bei zu großen Mengen kann es auch zum Herzstillstand führen.

10.      Tabak

Hochgiftig bei geringen Mengen durch die enthaltenen Stoffe Nicotin und Anabasin.
Bei Hund und Katze wird die bedrohliche Dosis mit 2 - 25 gramm pro kg/KG bei getrocknetem Tabak angegeben.

Die Stoffe führen bereits nach 1- 24 Stunden je nach Menge entweder zum Tod des Tieres oder zu Erbrechen, Durchfall, Zittern, Atemnot, hoher Puls, Muskelschwäche, Kreislaufversagen.

11.      Kerne von Steinobst

Im Ganzen sind die Kerne unproblematisch (sofern sie keine Darmprobleme verursachen), werden sie zerbissen geschluckt, kann das enthaltene z.B. Amygdalin oder auch Prunasin Blausäure oder Salze der Blausäure freisetzen. Diese ist hochgiftig und deutlich erkennbar, weil der Atem nach Bittermandel riecht (leider können nur etwa 50% der menschlichen Bevölkerung dieses Geruch wahrnehmen).

Die Problematik liegt unter anderem darin, dass Cyanid die Zellatmung blockiert oder auch durch die Reizung und Verätzung der Schleimhäute und des Magen-Darm-Traktes.

Bereits wenige Sekunden nach Einnahme kommt es zu Symptomen, die Dosis wird mit ca. 2mg pro kg/KG angegeben, evtl. weniger.

Die Eingabe von medizinischer Kohle im Abstand von 4-6 Stunden kann hilfreich sein.

12.      Xylit oder Xylitol = Süßstoff

Enthalten in Kaugummi, Bonbons oder auch Backwaren führt Xylit bei Hunden zu einer erhöhten Insulinausschüttung  und Abfall der Blutglukose, was jedoch nur selten zu einem sog. Somogyi-Effekt führt (=Wechsel von Hypoglykämie/zu niedriger Blutzuckerspiegel zu erhöhtem Blutzuckerspiegel (=Hyperglykämie), je nach aufgenommener Menge.
Problematischer sind der Abfall des Blutzuckerspiegels an sich, als auch das mögliche Auftreten einer Leberzellnekrose bis hin zu Leberversagen.

Als toxisch wird bereits eine Dosis von 0,1 gramm pro kg/KG angegeben, die tödliche Dosis soll sich auf  3-5 gramm pro kg/KG beim Hund belaufen.


Als gute Seite empfehle ich euch (diese war auch uns hier hilfreich, neben diverser Literatur:
http://www.vetpharm.uzh.ch/perldocs/index_x.htm)

Solltet ihr noch weitere Stoffe kennen oder – nobody´s perfect ;-) – Fehler entdecken oder Ergänzungen/Änderungen haben, teilt uns diese doch bitte mit!

Teil 2 und 3 folgen!